Ausstellungsansicht Marijke van Warmerdam, Good days bad days, 1996, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst, Johanna Hedva, The Clock Is Always Wrong (Other Mouth), 2023, Courtesy the artist; Commissioned by Migros Museum für Gegenwartskunst, Maryam Jafri, Depression aus der Serie: «Wellness-Postindustrial Complex», 2017, Courtesy the artist and Laveronica Gallery, Modica, Alina Szapocznikow, Cendrier d‘ambiance, 1972, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zurich
Installationsansicht Carolyn Lazard, Consensual Healing, 2018, 1-Kanal-Video auf Monitor (Farbe, Ton, HD). Courtesy the artist. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zurich
Ausstellungsansicht Maryam Jafri, Depression aus der Serie: «Wellness-Postindustrial Complex», 2017, Courtesy the artist and Laveronica Gallery, Modica, Alina Szapocznikow, Cendrier d‘ambiance, 1972, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zurich
Installationsansicht Adina Pintilie, THE WOMB aus der Serie: «Cathedral of the Body», 2023, 3-Kanal Filminstallation (Farbe, Ton); Performer*innen: Hermann Muller, Dirk Lange, Laura Benson, Hanna Hofmann, Christian Bayerlein, Grit Uhlemann, Adina Pintilie . Courtesy the artist; Commissioned by Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zurich
Installationsansicht Grace Ndiritu, Protest Carpet: MOTHERHOOD, 2022, Teppich, bedruckt, gewoben. Courtesy the artist and Kate MacGarry, London. Commissioned by RAMM, Exeter. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zurich
Installationsansicht Lauryn Youden, Venus in Scorpio, 2023, verschiedene Materialien. Courtesy of the artist und Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zurich
Ausstellungsansicht Ezra Benus, Relax (erotic hypnosis), 2023, Courtesy the artist, Lauryn Youden, Venus in Scorpio, 2023, Courtesy the artist. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zurich
Installationsansicht Ezra Benus, Relax (erotic hypnosis), 2023, Bettpfannen, Magic Wand (Massagegerät), «Relax» auf Holz gemalt. Courtesy the artist. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich
Ausstellungsansicht Rory Pilgrim, RAFTS, 2022, 1-Kanal-Video (Farbe, Ton, HD), Monitor, Holzrahmen, Tau, Kanister. Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst, Rory Pilgrim, In the Long Grass, 2021, Bleistift, Farbstift und Nagellack auf Papier, Collection Teylers Museum, Haarlem. Mark Jones, Stuck in Time Tree, 2023, Einmachglas, Kupferdraht, künstliches Moos. Courtesy the artist and Maureen Paley, London. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich
Ausstellungsansicht Sharona Franklin, Utricle quilt - Membrane Comforter, 2023, verschiedene Materialien. Courtesy the artist; Commissioned by Migros Museum für Gegenwartskunst, Carmen & Antonio Papalia, Tripping Hazard (Field Studio 1) 2023, Diverse Materialien, Courtesy the artist; Commissioned by Migros Museum für Gegenwartskunst. Carolyn Lazard, Pain Scale, 2019, Vinyldruck, Courtesy the artist. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich
Installationsansicht Carmen & Antonio Papalia, Tripping Hazard (Field Studio 1), 2023, diverse Materialie. Courtesy the artist; Commissioned by Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich
Installationsansicht Carmen & Antonio Papalia, Tripping Hazard (Field Studio 1), 2023, diverse Materialie. Courtesy the artist; Commissioned by Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich
Installationsansicht The Vacuum cleaner and collaborators, For They Let In The Light, 2022-2023, 1-Kanal-Videoinstallation (Farbe, Ton), diverse Materialien. Originally commissioned and produced by Chisenhale Gallery. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich
Installationsansicht Sharona Franklin, Utricle quilt - Membrane Comforter, 2023, verschiedene Materialien. Courtesy the artist; Commissioned by Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich
Installationsansicht Jesse Luke Darling, Untitled (still life), 2018 - ongoing, Blumen, Vasen, Wasser, Vitrinen. Courtesy the artist and Arcadia Missa, London. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich
Ausstellungsansicht Interdependencies: Perspektiven zu Care und Resilienz, Caring Space. Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich
Die Gruppenausstellung Interdependencies: Perspektiven zu Care und Resilienz zeigt die wechselseitige Abhängigkeit von Menschen, Gesellschaften und Institutionen. Die vierzehn Kunstschaffenden bieten sowohl kritische als auch lösungsorientierte Perspektiven auf gesellschaftliche Verhältnisse und Machtstrukturen. Im Mittelpunkt stehen individuelle und kollektive Erfahrungen mit Behinderung, Krankheit und Heilung. Der Wunsch nach Gerechtigkeit, die Dringlichkeit von Widerstand sowie die Bedeutung von Kreativität im Spannungsfeld von Verletzlichkeit und Resilienz sind in ihren Arbeiten zentral.
Wir alle haben während der COVID-19-Pandemie Erschwernisse erfahren, ob durch Isolation, Erkrankung oder die Anpassung an neue Situationen. Vor allem die Art und Weise, wie wir uns umeinander kümmern, hat sich seither verändert – sowohl im Gesundheitswesen und am Arbeitsplatz als auch in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen. Missstände im Bereich der gesellschaftlichen und institutionellen Fürsorge (Care) gibt es aber nicht erst seit der Pandemie – insbesondere die verletzlichsten Mitglieder unserer Gesellschaft stehen in diesem Spannungsfeld. Der Diskurs um Care ist jedoch immer mehr im Zeitgeist angekommen. Künstler*innen erarbeiten zunehmend Modelle, die Ableismus, Gender-Normativität und den gesellschaftlichen Leistungsdruck ablehnen. Die Kunstschaffenden der Ausstellung engagieren sich für die Sichtbarkeit und Gleichstellung von Menschen mit Behinderung und in queeren und feministischen Bewegungen, die ihre Bereitschaft für Veränderung und ihren Widerstand demonstrieren.
In der Ausstellung sind drei Modelle der Fürsorge im Fokus – die Selbstfürsorge, die politische Fürsorge und die kollektive Fürsorge. Selbstfürsorge (Self Care) bedeutet für viele eine Atempause von den harten Realitäten des kapitalistischen Leistungsdrucks. Doch zugleich ist sie ein Privileg. In der Installation Depression kritisiert Maryam Jafri die Vereinnahmung traditioneller chinesischer Heilpraktiken durch eine globale Wellnessindustrie. Ezra Benus erforscht den Zusammenhang zwischen Krankheit, Kapitalismus sowie Erotik und thematisiert, wie gelebte Erfahrungen zur konsumierbaren Ware gemacht werden.
Care und Care-Arbeit sind nicht nur ein privates, sondern auch ein politisches Anliegen. Politische Fürsorge bedeutet für einige Künstler*innen der Ausstellung, sich aktivistisch zu engagieren und in ihren Arbeiten auf Missstände hinzuweisen, um Veränderungen zu bewirken. Die Brüder Carmen und Antonio Papalia sorgen in ihrer künstlerischen Praxis nicht nur füreinander, sondern wehren sich auch gegen die Pharmaindustrie, indem sie alternative Schmerzmittel in Form von Cannabispflanzen züchten. In ähnlicher Weise untersucht Sharona Franklin mit ihrem Quilt aus Gelatine, Kräutern und Biomaterial die Machtdynamik zwischen Pharmaindustrie und alternativen Heilmethoden und setzt sich darüber hinaus für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein. Die spezifische Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten wird als Ableismus bezeichnet. Ableismus ist häufig mit anderen strukturellen Benachteiligungen verwoben, wie beispielsweise Armut, Sexismus und/oder Rassismus. Carolyn Lazard verweist in ihrer modifizierten Pain Scale (Schmerzskala) auf die Ungleichbehandlung von Schwarzen Menschen, die von medizinischem Personal in ihren Schmerzen weniger ernst genommen werden als weisse.
Kollektive Fürsorge und Zusammenhalt sind zentral, um Care für alle zu ermöglichen. Dabei geht es nicht nur um institutionalisierte Care-Arbeit, sondern auch um die gemeinschaftliche Bereitschaft, sich überall für bessere Verhältnisse einzusetzen. Die Ausstellung zeigt Ansätze, die auf Solidarität, Mitgefühl und Unterstützung basieren und traditionelle Vorstellungen von Fürsorge hinterfragen und erweitern. Sowohl den Arbeiten von Rory Pilgrim als auch denen von the vacuum cleaner geht ein kollektiver Fürsorge- und Arbeitsprozess voraus. Während Pilgrim den Zusammenhang zwischen Klimakrise und sozialer Unterstützung untersucht, thematisiert the vacuum cleaner in seiner Videoinstallation das Versagen des psychiatrischen Gesundheitssystems und die Kraft der Kunst, Resilienz zu fördern. Resilienz beschreibt die Fähigkeit von Individuen oder Gesellschaften, mit Veränderungen und Krisen umzugehen und sich ihnen anzupassen.
Auch im Museum wollen wir für verschiedene Bedürfnisse sorgen.
Mit Adina Pintilie, Carmen & Antonio Papalia, Carolyn Lazard, Ezra Benus, Grace Ndiritu, Jesse Luke Darling, Johanna Hedva, Lauryn Youden, Maryam Jafri, Rory Pilgrim, Sharona Franklin, the vacuum cleaner and collaborators, sowie Alina Szapocznikow und Marijke van Warmerdam aus der Sammlung des Migros Museum für Gegenwartskunst.
Kurator: Dr. Michael Birchall
Kuratorische Assistenz: Claudia Heim
Caring Space
Im sogenannten Caring Space ermöglicht die Ausstellung den Besucher*innen, sich in einem für sie konzipierten Raum zurückzuziehen und eine Pause vom Alltag einzulegen. Hier laden wir unsere Besucher*innen ein, ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema Care auszutauschen und zu hinterlassen.
Publikation
Zur Ausstellung, die mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm und einem Symposium einhergeht, erscheint auch eine Publikation.
Podcast
Die Künstlerin Lauryn Youden hat zu ihrem, in der Ausstellung gezeigtem Werk Venus in Scorpio, einen Podcast aufgenommen:
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INTERDEPENDENCIES: PERSPECTIVES ON CARE AND RESILIENCE CHF 38
PLAKAT INTERDEPENDENCIES: PERSPEKTIVEN ZU CARE UND RESILIENZ CHF 25