Jahresprogramm 2026
- 07.02.2026 – 25.05.2026: Disobedience Archive
- 13.06.2026 – 06.09.2026: Mohamed Bourouissa
- 26.09.2026 – 17.01.2027: Sammlungsdialog Sylvie Fleury & Shamiran Istifan
- 26.09.2026 – 17.01.2027: Nicole L'Huillier
Unsere Gegenwart ist geprägt von einer Überlagerung globaler Krisen, gesellschaftlicher Umbrüche und politischer Disruptionen. Gleichzeitig wächst die Fragmentierung der Gesellschaft und die soziale Isolation – beschleunigt durch die Entwicklung neuer Technologien und einer Wirtschaftsordnung, die immer mehr Ungleichheit hervorbringt. Unweigerlich stellen sich Fragen: Wie kann Gemeinschaft in einer sich radikal wandelnden Welt neu gedacht werden? Wie kann trotz aller Bedrohungen hoffnungsvoll in die Zukunft geschaut werden? Wie kann Wandel möglich gemacht werden?
Im Jahr 2026 widmet sich das Migros Museum für Gegenwartskunst der Solidarität. Als Ort der Begegnung machen wir uns für den gesellschaftlichen Zusammenhalt stark: Unsere Ausstellungen vereinen Perspektiven, die Polarisierung und Vereinzelung hinterfragen, Selbstermächtigung als gemeinschaftlichen Prozess ins Zentrum rücken und solidarische Netzwerke sichtbar machen. Gemeinsam mit den Besucher*innen und den eingeladenen Kunst- und Kulturschaffenden erkundet das Museum, wie Verständigung über soziale, kulturelle oder sprachliche Grenzen hinweg gelingen kann – und wie Kunst Nähe und Miteinander schafft.
Im Frühjahr wird das von Marco Scotini initiierte Disobedience Archive präsentiert – ein bewegliches und sich stets weiterentwickelndes Videoarchiv als Rezeptsammlung für gesellschaftliche Transformation. Die rund 40 Filme reflektieren Ungehorsam in all seinen Facetten: Ausgehend von künstlerischen und aktivistischen Strategien thematisiert das Archiv mögliche Formen des Widerstands und Solidarität. Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit Raqs Media Collective entwickelt wird, lädt dazu ein, über gesellschaftliche Veränderung nachzudenken und Diskussionen anzustossen.
Die Einzelausstellung des französisch-algerischen Künstlers Mohamed Bourouissa im Sommer lenkt das Augenmerk auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Bourouissa porträtiert Menschen, die in den grossen Narrativen der Geschichte, in Medien und Kunst ausgelassen wurden. Die Besucher*innen tauchen in eine Welt intimer diasporischer Erzählungen ein, zum Beispiel jener seiner Tante Noubia; eine Welt der Fiktion rund um Fragen von Identität und Repräsentation. Bourouissa lotet in seinen Arbeiten unterschiedliche Bedingungen von sozialer Zugehörigkeit aus. In Kooperation mit dem Museum Marta Herford und Oriane Durand.
Im Herbst treten zwei Künstlerinnen aus der Schweiz in einen Dialog miteinander: Ausgangspunkt ist Sylvie Fleurys Werk She-Devils on Wheels – Headquarters (1997) aus der Sammlung des Migros Museum für Gegenwartskunst. Die Arbeit ist ein kraftvoller, emanzipatorischer Akt, in dem die Künstlerin den Ausschluss von Frauen aus bestimmten Lebensbereichen thematisiert. Mit der Gründung eines eigenen feministischen Automobilclubs setzt Fleury ein starkes Zeichen für Selbstermächtigung und Unabhängigkeit. Die Arbeit wird nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder im Museum zu sehen sein.
In Resonanz dazu öffnet Shamiran Istifan den Raum für die Auseinandersetzung mit kulturellen Codes im Alltag, mit Erzählungen, die von Frauen von Generation zu Generation weitergegeben werden, aber auch mit Fragen zu Klasse und Zugehörigkeit – dies mit einer Reihe von Neuproduktionen. Es entsteht ein inspirierender Dialog zwischen zwei feministischen Stimmen – aus den 90er-Jahren und von heute.
Zeitgleich zeigt das Museum im Herbst auch eine Einzelausstellung der chilenischen Künstlerin Nicole L'Huillier. Nach einer diskursiv geprägten ersten Jahreshälfte lädt die Ausstellung von L'Huillier zum Interagieren und Eintauchen ein: Ihre soundbasierten Installationen entfalten sich erst durch die Aktivierung und Beteiligung des Publikums. Wie kann Kunst Resonanz erzeugen? Wie können wir als Menschen etwas geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten? Die Ausstellung bietet einen Raum, in dem Klang und Körper miteinander verschmelzen und neue Formen des Miteinanders erlebbar werden. Mit seinen Ausstellungen sowie den diskursiven und partizipativen Formaten bringt das Museum Menschen und Kunst zusammen und öffnet lebendige Begegnungsräume. Gemeinsam mit dem Publikum lebt, reflektiert und schafft das Museum neue Modelle von Solidarität und gesellschaftlichem Zusammenhalt.