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An die Verfasser*innen / Initiator*innen / Mitunterzeichner*innen des zweiten Offenen Briefes vom 9. Juni 2021

Wir danken den über 60 Mitunterzeichner*innen für die erneute Initiative, sowie für die Arbeit, die sie in die Aufklärung über die Realität des antischwarzen Rassismus innerhalb der schweizerischen Kunst- und Kulturlandschaft investieren. Als Institution lernen wir essenziell von der Expertise, die in die Fragestellungen aus dem ersten Brief eingeflossen sind. Wir möchten gemeinsam mit den Initiator*innen und weiteren Expert*innen in produktive Gespräche zu den Forderungen einsteigen und hoffen hierfür alsbald den Kontakt aufzunehmen sowie Möglichkeiten für den Austausch und die Zusammenarbeit zu erarbeiten.


Bereits der erste Brief, der im Juni 2020 an uns gerichtet wurde, hat innerhalb des Museums Diskussionen und einen Prozess der Reflexion ausgelöst. Aktuell befinden wir uns in einem internen Umstrukturierungsprozess, innerhalb dessen Fragen von Zugänglichkeit, Sichtbarkeit und kultureller Teilhabe von marginalisierten Perspektiven und Lebensrealitäten einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Wir sind entschlossen unsere zukünftige Arbeit weiterhin daran auszurichten. Während unserer Gespräche, Beobachtungen und Überlegungen haben wir festgestellt, dass es noch einiges an Vorarbeit auf unserer Seite bedarf, um nächste konkrete Handlungsschritte formulieren zu können, die Teil eines langfristigen Lernprozesses werden.


Als lokal und international agierende und wirkende Institution auf einem von den nordatlantischen Landschaften dominierten Kunstfeld, erkennen wir unsere Verstrickungen mit ausschluss-generierenden Strukturen an. Daraus leiten wir die Verantwortung ab, gesellschaftliche Missstände und die ungleichmässige Verteilung von Ressourcen und Mitspracherechten ausgehend von dieser Involviertheit heraus zu thematisieren und machtkritische Lösungsvorschläge zu formulieren. Dabei ist es uns wichtig zu betonen, dass die konsequente Einbindung von konkreten Umsetzungen in die Inhalte, Praxis und Strukturen des Museums gleichermassen zu berücksichtigen sind.


Aus den Gesprächen der vergangenen Monate leiten sich für uns als Museum folgende Haltungen ab:

  1. Wir sind bereit die eigenen blinden Flecken in Bezug auf Rassismus, Sexismus, Klassismus und Ableismus aufzuspüren und Arbeit zu investieren, um langfristig Diskriminierungsmuster zu verlernen.
  2. Wir sind im Begriff eine rassismuskritische Sprache und ein präzises hegemonie- und diskriminierungskritisches Vokabular (schriftlich, mündlich, visuell) zu erlernen und in allen Bereichen des Museums einzubringen und zu etablieren.
  3. Wir sind um einen intersektionalen Ansatz bemüht, der verschiedene Formen von Diskriminierung und Ausschlüssen auf inhaltlicher wie struktureller Ebene anerkennt und in den verschiedenen Arbeitsfeldern der Institution berücksichtigt, um ihnen nachhaltig entgegenzuwirken.

Erste Ideen für die Umsetzung werden ab Herbst 2021 besprochen und phasenweise eingeleitet. Darüber wird das Museum zu gegebenen Zeitpunkten informieren.


Das Team des Migros Museums für Gegenwartskunst