The Future is a Risk, Masquerading as a Promise
Ort: LUMA, schwarzescafé, 1. OG, Löwenbräukunst, Limmatstrasse 270
In vielen aussereuropäischen Sprachen wie Mandarin, Urdu und Hindi ist die Bezeichnung für Vergangenheit und Zukunft dieselbe. In Hindi und Urdu sind »gestern« und »morgen« das gleiche Wort: कल (kal). In Mitternachtskinder bemerkt Salman Rushdie dazu: »Von Leuten, die für ›gestern‹ dasselbe Wort benutzen wie für ›morgen‹, kann man nicht behaupten, sie hätten die Zeit fest im Griff.« Rushdie spielt damit auf die schwierige Beziehung zwischen Zeitlichkeit und Hoffnung an, auf das Begehren nach einer herrschaftsfreien Zukunft und auf die Unmöglichkeit utopischen Denkens.
Der Kolonialismus negiert nicht nur die Vergangenheit und die Geschichte der Kolonisierten, sondern untergrub auch ihre Fähigkeit zur Zukunft, die von Europa monopolisiert wird. Diese Problematik erinnert an zwei wichtige Wörter der deutschen Sprache: Vergangenheitsaufarbeitung und Zukunftsfähigkeit. Um zukunftsfähig zu sein, muss man zur Aufarbeitung der Vergangenheit bereit sein, was bedeutet, sich Rechenschaft darüber abzulegen, wie wir in unseren jetzigen Zustand geraten sind.
Der Vortrag wird untersuchen wie unsere Geschichten der Vergangenheit uns dabei helfen sollten, die Gegenwart strategisch zu hinterfragen, um uns die Möglichkeiten einer postimperialistischen Zukunft vor Augen zu führen. Dies würde eine ‚Dekolonisierung des Geistes‘ beinhalten, die sich vom Aufklärungsprinzip des sapere aude (dare to know) hin zum Mut des ‚Sorge, zu wissen‘ (care to know) verlagert, was eine epistemische Arbeit erfordert, die kontinuierliche sorgfältige Pflege und Aufmerksamkeit mit sich bringt.
Nikita Dhawan ist Professorin für Politische Theorie und Ideengeschichte an der TU Dresden. Ihre Schwerpunkte sind globale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Demokratie und Dekolonialisierung. 2017 erhielt sie den Käthe-Leichter-Preis für herausragende Leistungen in der Frauen und Geschlechterforschung sowie für die Unterstützung der Frauenbewegung und Verwirklichung der Gleichstellung der Geschlechter. Im Jahr 2023 erhielt sie die Gerda-Henkel-Gastprofessur an der Stanford University und das Thomas Mann Fellowship in Los Angeles.
Dieser Vortrag ist Teil des Futurologischen Kongress, der am 29. und 30. November 2024 im Löwenbräukunst und in Kooperation mit dem Migros Museum für Gegenwartkunst im Rahmen der Ausstellung Knowledge is A Garden stattfindet.
- Sprache: Englisch
- Barrierefrei zugänglich
- Durch Gebärdensprachübersetzung begleitet
- Keine Anmeldung erforderlich
- Kostenloses Angebot
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