Disobedience Archive (Canopy for Broken Time)
Im Dialog mit Raqs Media Collective
Biographien der Künstler*innen
Raqs Media Collective
(*1992 von Jeebesh Bagchi, Monica Narula und Shuddhabrata Sengupta gegründet). Die hybride Praxis von Raqs bewegt sich auf einem Terrain, das zugleich poetisch, ausdrucksstark und analytisch präzise ist. Raqs folgt ihrem selbst erklärten Prinzip der „kinetischen Kontemplation“, um eine Arbeitsweise zu entwickeln, die sich durch eine rastlose Vielfalt an Formen und Methoden auszeichnet (Ton, Bild, Video, Text, Objekt, Gestik) und oft spekulative Verfahren einsetzt. Die Arbeiten zeigen eine tief gelebte Beziehung zu Mythen und Geschichten unterschiedlicher Herkunft und öffnen diese durch eine dialogische Praxis, die eine tiefe Ambivalenz gegenüber Monochromie verkörpert und eine konsequente Kritik an den Mechanismen von Macht und Eigentum übt. Raqs tritt gerne in einer Vielzahl von Rollen auf: oft als Künstler*innen, gelegentlich als Kurator*innen und manchmal als philosophische Agent Provocateurs.
Raqs hat weltweit ausgestellt, unter anderem bei der Documenta sowie den Biennalen von Venedig, Istanbul, Taipeh, Liverpool, Shanghai, Sydney und São Paulo. Zu ihren Einzelausstellungen (und Projekten) zählen The Bicyclist who Fell into a Timecone, Cosmic House, London (2023); The Laughter of Tears im Kunstverein Braunschweig (2021); Pamphilos beim Fast Forward Festival 6, Athen (2019); Still More World im Mathaf Museum of Modern Art, Doha (2019); Twilight Language in der Manchester Art Gallery (2017–2018); Everything Else is Ordinary im K21 Museum für Kunst des 21. Jahrhunderts, Düsseldorf (2018); If It’s Possible, It’s Possible im MUAC, Mexiko-Stadt (2015) und Untimely Calendar in der National Gallery of Modern Art, Delhi (2014–2015). Von Raqs kuratierte Ausstellungen umfassen Afterglow, Yokohama Triennale 2020; In The Open or in Stealth (MACBA, Barcelona, 2018–2019); Why Not Ask Again (Shanghai Biennale 2016–2017); INSERT2014 (Neu-Delhi, 2014) und The Rest of Now & Scenarios (Manifesta 7, Bozen, 2008).
Raqs intervenierte 2021 in den Sammlungen der Akademie der bildenden Künste Wien mit Hungry for Time – eine Einladung zu epistemischem Ungehorsam. Sie waren Finalist:innen im Designwettbewerb für das 22. Juli National Memorial in Oslo, Norwegen (2024) und zeigten zuletzt ihre Einzelausstellung Cavalcade am Neubauer Collegium, Chicago (2025).
Samir Abdallah
Samir Abdallah wurde in Kopenhagen, Dänemark, als Sohn Hamed Abdallas, einem Pionier der ägyptischen modernen Kunst, und seiner Frau Kirsten Hamed Abdallah, einer dänischen Krankenschwester, geboren. Seit seinem sechsten Lebensjahr lebt er in Frankreich, wo er die französische Staatsbürgerschaft erwarb. Nach seinem Studium der Dramatischen Künste und des Films an der Universität Nanterre in den frühen 1980er Jahren gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Mogniss die Agentur IM’Média und produzierte zahlreiche Berichte und Dokumentationen über Migration für das Programm Rencontres auf dem französischen Sender FR3 zwischen 1988 und 1991.
Er hat allein oder in Zusammenarbeit viele Dokumentarfilme gedreht, darunter: L’Islam de France, entre traditions et modernité (Der Islam in Frankreich, zwischen Tradition und Moderne) im Jahr 1990, La Révolte de Veaux-en-Velin (Die Revolte von Veaux-en-Velin) im Jahr 1991, Voyages au Pays de la Peuge (Reisen ins Land von Peugeot) im Jahr 1991, La Ballade des sans-papiers (Die Ballade der Papierlosen) im Jahr 1997, Le Siège (Die Belagerung) im Jahr 2002, Ecrivains des Frontières, voyages en Palestine(s) (Schriftsteller der Grenzen, Reisen in Palästina) im Jahr 2004, Quo Va Dis? (Was ist los?) im Jahr 2006, Après la guerre, c’est toujours la guerre (Nach dem Krieg ist immer noch Krieg) im Jahr 2007 und Gaza-strophe, Palestine (Gaza-strophe, Palästina) im Jahr 2008. 2009 folgte Candidates for Beur?, 2012, In Cairo of the Revolution, seit 2011…
Im Jahr 1991 gründete er die Organisation L’Yeux ouverts die Workshops in Stadtvierteln veranstaltet und ein internationales Netzwerk öffentlicher Filmvorführungen mit kritischen Perspektiven auf die zeitgenössische Welt betreibt. Dieses Netzwerk umfasst mehr als 3000 Partnerorganisationen und Initiativen in Frankreich, Europa, den arabischen Ländern und Amerika und entwickelt unter dem Namen CINEMETEQUE eine gleichnamige Filmplattform.
Ravi Agarwal
Ravi Agarwal ist ein interdisziplinärer Künstler, Fotograf, Umweltaktivist, Autor und Kurator. Anhand von Fotografie, Video, Text und Installation setzt er sich mit der komplexen Beziehung zwischen Natur und ihrer Zukunft auseinander. Seine Arbeiten wurden international an bedeutenden Orten ausgestellt. Er hat grosse indo-europäische öffentliche Kunstprojekte kuratiert, darunter Yamuna-Elbe (2009) und Embrace Our Rivers (2018), und war Mitveranstalter der Triennale Bergen Assembly 2025 (Norwegen). Agarwal ist Mitbegründer der forschungsbasierten Umwelt-NGO Toxics Link und der Shyama Foundation, die künstlerische Initiativen an der Schnittstelle von Kunst und Ökologie unterstützt.
Irwan Ahmett und Tita Salina
Irwan Ahmett und Tita Salina sind ein autodidaktisches Künstlerduo aus Jakarta, dessen frühe Arbeiten performative Interventionen in den chaotischen öffentlichen Räumen der Megastadt zeigten, die mit unkontrollierter Urbanisierung und Umweltverschmutzung zu kämpfen hat. Ihre Verbindungen zu Kunst-, Aktivisten- und Wissenschaftsnetzwerken haben ihre Praxis in komplexere Kontexte geführt. Derzeit arbeiten sie an einem langfristigen Projekt über geopolitische Turbulenzen im “Ring of Fire” – einer der katastrophenanfälligsten Regionen der Welt, die von wiederkehrender ideologischer Gewalt und deren traumatischen Folgen geprägt ist. Durch hohe Mobilität zwischen Residenzen, Forschung und Feldarbeit suchen sie nach Antworten auf planetarische Ängste rund um die menschliche Existenz und produzieren gleichzeitig künstlerisches Wissen über Ungerechtigkeit, Menschlichkeit, Ökologie und Ausnahmezustände.
Navjot Altaf
Navjot Altaf ist eine multimediale bildende Künstlerin, deren Arbeit verschiedene disziplinäre Medien und Grenzen miteinander verbindet. Seit 1997 arbeitet Altaf mit indigenen Künstler*innen und Gemeinschaft in Chhattisgarh in Zentralindien zusammen. Ihre Methodik berücksichtigt Aspekte der Zusammenarbeit, wobei ihre Arbeit aus einem erweiterten dialogischen Austausch entsteht. Ihre zahlreichen Einzelausstellungen fanden innerhalb und ausserhalb Indiens statt, darunter Teilnahmen an der Ishara Art Foundation, Dubai (2022), PAV-Parco Arte Vivente, Turin, Italien (2020), National Gallery of Modern Art, Mumbai (2019), Kiran Nadar Museum of Art New Delhi, Indien (2017), dem KHOJ, Neu-Delhi, Indien (2017), der 11. Shanghai Biennale (2016), der 2. Kochi-Muziris Biennale (2014), dem MMCA Korea (2013), EuropaliaIndia Liege: Belgien, Deutschland, (2013) „Women In Between: Asian Women Artists” (1984–2012): Japan (2012/13).
Atelier d’Architecture Autogérée (AAA)
Atelier d’architecture autogérée (AAA) (gegründet 2001) ist eine in Paris ansässige kollektive Plattform, die von Constantin Petcou und Doina Petrescu initiiert wurde. AAA führt Aktionen und Forschungen zu partizipativer Urbanistik und Architektur durch und bezieht lokale Bewohner*innen in die Schaffung und Erhaltung von Gemeingütern in ihren Vierteln ein. Dabei fördern sie soziale und ökologische Praktiken und initiieren resiliente Netzwerke. Zu ihren bekanntesten Projekten gehören Ecobox, Passage56 und R-Urban. Letzteres ist eine partizipative Strategie für lokale Resilienz in der Pariser Region, die auf Netzwerken kollektiver Öko-Hubs basiert, die von Bewohner*innen sozialer Viertel betrieben werden. In jüngerer Zeit arbeiten sie am Aufbau der Wiki Village Factory – einem 7000m² grossen Zentrum für soziale und ökologische Innovation in Paris.
Die Arbeiten von AAA wurden unter anderem bei der Architekturbiennale Venedig (Italien), im MoMA New York (USA), im Architekturzentrum Wien (Österreich), bei der Berlin Art Biennale (Deutschland) und der BETA Timisoara Biennale (Rumänien) ausgestellt. Sie haben internationale Anerkennung und zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter: den Europäischen Preis für öffentlichen Stadtraum (2016 und 2010), den Curry Stone Design Prize (2011), den Zumtobel Preis für Nachhaltigkeit und Menschlichkeit (2012), die Auszeichnung „100 Projects for the Climate/ COP21“ (2016), den Innovation in Politics Award in der Kategorie Ökologie (2017), den Building4Humanity Resilience Design Award (2018) und die Auszeichnung „New European Bauhaus“ (2022).
Atelier Impopulaire
Pia Bolognesi und Giulio Bursi arbeiten seit 2012 gemeinsam unter dem Namen Atelier Impopulaire. Ihre Praxis umfasst bewegte Bilder, Schreiben, Installationen und Skulpturen. Sie bevorzugen kollaborative Methoden und kollektive Prozesse, wobei AI (Atelier Impopulaire) überlieferte Modelle der Verbreitung neu denkt und narrative Ansätze präsentiert, die Momente des Bruchs in unserer zeitgenössischen Kultur hervorheben. Mit einem Hintergrund in Kunst und Kino (PhD in Film and Visual Studies) richtet sich die Forschung von AI darauf, die pluralen Identitäten visueller Sprachen zu untersuchen und deren Politik der Darstellung zu dekonstruieren und neu zu interpretieren.
Ihre Projekte wurden unter anderem im Centre Pompidou, Tate Modern, Kyoto University of Art and Design, West Bund Shanghai, La Biennale di Venezia, Berlin Art Week, La Triennale di Milano, GAM Santiago, MoMA New York, Power Station of Art Shanghai, Volksbühne Berlin, ZKM Center for Art and Media, Shanghai Himalayas Museum, Rotterdam International Film Festival, Harvard Carpenter Center for Visual Arts, HKW Berlin, The Louvre, Atonal Berlin, Kunsthal Charlottenborg sowie in unabhängigen Kunsträumen und Initiativen in ganz Europa, Kanada und den USA gezeigt.
Petra Bauer
Petra Bauer ist eine Künstlerin und Filmemacherin mit Sitz in Stockholm. Mittels langfristiger Kollaborationen entfaltet sich ihre Praxis an der Schnittstelle von feministischer Politik, sozialen Bewegungen und dem bewegten Bild. Sie betrachtet das Filmemachen nicht nur als eine Form der Repräsentation, sondern als eine gemeinsame Methode – eine, die zuhört, hinterfragt und Solidaritäten über Unterschiede hinweg aufbaut. Ihr Werk nutzt Film als Raum für kollektive Forschung, politisches Gedächtnis und die Erprobung alternativer Lebensformen.
Bauer hat an der Malmö Art Academy studiert und besitzt einen PhD von der Konstfack University of Arts, Crafts and Design. Derzeit ist sie Professorin für Film & Medien und verantwortlich für den Forschungsbereich Art, Technology & Materiality an der Stockholm University of the Arts. Seit 2016 hat sie zudem eine Professur für bewegtes Bild am Royal Institute of Art inne.
Im Laufe der Jahre hat sie gemeinsam mit Basisnetzwerken filmische und pädagogische Prozesse entwickelt – von SCOT-PEPs Einsatz für die Rechte von Sexarbeiter*innen in Schottland, über Kooperationen mit Southall Black Sisters in London, bis hin zu feministischen Archiven und Frauenzentren in ganz Europa. Ebenso hat sie eng mit der Aktivistin Carolina Sinisalo und dem Filmemacher Marius Dybwad Brandrud zusammengearbeitet, um durch Film Trauer, Widerstand und politisches Zeugnis zu erforschen. Diese Projekte sind von einer Politik des Zuhörens geprägt, bei der das Erzählen von Geschichten sowohl eine Form des Widerstands als auch eine Praxis der Fürsorge darstellt.
Ihre Filme und Forschungsarbeiten wurden unter anderem in The Showroom, Collective, Fruitmarket, Tensta konsthall, der Biennale von Venedig und dem Museo Reina Sofía präsentiert.
Ege Berensel
Ege Berensel ist Medienkünstler, visueller Forscher und Filmarchivar mit Sitz in Ankara. Seit 20 Jahren betreibt er das Türkiye 8mm Family Films Archive und das Türkiye Militant Film Archive, die zusammen 15.000 Filmrollen umfassen, die er aus Müll gerettet hat.
Die Filme, die er aus diesen Archiven produziert hat, wurden an zahlreichen renommierten Orten ausgestellt, darunter die Istanbul Biennale, Kunsthal Charlottenborg, Fundación Proa, SALT und Depo Istanbul.
Bernadette Corporation
Bernadette Corporation lebt und arbeitet in New York. Einzelausstellungen umfassen Greene Naftali, New York (2023, 2009); Stedelijk Museum, Amsterdam (2016); Artists Space, New York (2012); Institute of Contemporary Arts, London (2012); Kunsthalle Zürich Parallel, Zürich (2008); und Hamburger Kunstverein, Hamburg (2006). Ihre Arbeiten wurden in bedeutenden Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem im Stedelijk Museum, Amsterdam (2022); Center for Contemporary Art, Tel Aviv-Jaffa (2022); Julia Stoschek Collection, Berlin (2021); Whitney Museum of American Art, New York (2015); Centre Pompidou-Metz, Frankreich (2014); Institute of Contemporary Art, Philadelphia (2013); Museum für Moderne Kunst, Frankfurt (2010); und The Museum of Modern Art, New York (2010).
Die Werke von Bernadette Corporation befinden sich in den Sammlungen von Colección Jumex, Mexiko-Stadt; Kunsthal Extra City, Antwerpen; Hessel Museum of Art, Annandale-on-Hudson, New York; Stedelijk Museum, Amsterdam; und Whitney Museum of American Art, New York, sowie weiteren Institutionen.
Ursula Biemann
Ursula Biemann ist eine Schweizer Künstlerin und Autorin, deren Praxis sich auf Feldforschung, oft in indigenen Gebieten, und die Etablierung von Netzwerken zwischen verschiedenen Wissensfeldern konzentriert. Ihre künstlerische Arbeit reflektiert die politischen Ökologien von Wäldern, Öl und Wasser und schlägt einen ökologische, erdzentrierten Umgang mit der natürlichen Welt vor.
Zuletzt hatte Biemann Einzelausstellungen im MUAC in Mexiko-Stadt und im MQ Freiraum in Wien. Sie veröffentlichte die Online-Monografie Becoming Earth, die sich auf über zehn Jahre ihrer ökologischen Videoarbeiten konzentriert, sowie das Buch Forest Mind – On the Interconnection of All Life bei Spector Books (2022).
Black Audio Film Collective
Das Black Audio Film Collective wurde 1982 von sieben Studierenden in Portsmouth gegründet und hatte von 1983 bis 1998 seinen Sitz in Dalston, East London.
Als Reaktion auf die sozialen Unruhen in Brixton im Jahr 1981 gab es eine gezielte Initiative von Channel Four Television, den lokalen Metropolverwaltungen sowie den Film- und Fernsehgewerkschaften, um finanzielle und strukturelle Unterstützung für schwarze Medienschaffende und Kulturschaffende bereitzustellen. Ziel war es, eine schwarze kulturelle Präsenz in den britischen Medien und Künsten zu fördern. Eine der Gruppen, die massgeblich an der Aushandlung des Workshop-Abkommens zwischen den Medieninstitutionen und Kulturschaffenden beteiligt war, war das Black Audio Film Collective. In den sechzehn Jahren, in denen sie als künstlerisches Atelier tätig waren, produzierten sie eine Reihe bahnbrechender und preisgekrönter kreativer Dokumentarfilme, nicht-lineare Spielfilme, Tape-Slide-Installationen, Filmprogramme und Vorführungen, die die afrikanische und asiatische diasporische Erfahrung in Grossbritannien und darüber hinaus untersuchten.
Geprägt von einem Interesse an Erinnerung, Geschichte und Ästhetik schuf das Kollektiv eine Reihe von bewusst experimentellen Arbeiten, die sich mit der schwarzen populären und politischen Kultur in Grossbritannien auseinandersetzten. Die Gruppe spielte ausserdem eine entscheidende Rolle bei der Förderung des Bewusstseins für avantgardistische Filme aus Afrika, Indien und Südamerika in Grossbritannien.
Zu den Künstlern, Filmemachern und Schriftstellern, die mit der Gruppe verbunden sind, zählen John Akomfrah, Reece Auguiste, Edward George, Lina Gopaul, Avril Johnson, David Lawson und Trevor Mathison.
Seba Calfuqueo
Seba (Sebastiana) Calfuqueo (She/They, geb. 1991 in Santiago, Chile) ist eine Mapuche Trans-Künstlerin und Kuratorin, die im Espacio218 in Santiago de Chile tätig ist. Sie ist ausserdem Mitglied des Mapuche Rangiñtulewfü-Kollektivs und der Yene Revista.
Calfuqueo nutzt ihre kulturelle Herkunft und persönlichen Erfahrungen als Ausgangspunkt, um die sozialen, kulturellen und politischen Dynamiken des Mapuche-Subjekts in der zeitgenössischen chilenischen Gesellschaft und Lateinamerika kritisch zu reflektieren. Ihre künstlerische Praxis umfasst Performance, Installation, Keramik und Video. Dabei untersucht sie kulturelle Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen indigenen und westlichen Denkweisen sowie die damit verbundenen Stereotypen. Gleichzeitig setzt sie sich durch theoretische Forschung und vielfältige visuelle Techniken mit kolonialen Zwängen auseinander. Themen wie Feminismus, Queer-Theorie und Umweltrechte werden aus einer Perspektive der First Nations und einer empirischen Sichtweise behandelt.
Im Bereich der Umweltrechte reflektiert Calfuqueo die Beziehung zwischen Mensch und Natur und strebt einen Wendepunkt an, der beidn Konzepte koexistieren lässt. Sie möchte die anthropozentrische Sichtweise, in der Menschen die Natur bewohnen und ausnutzen, aufbrechen und den Betrachter dazu anregen, unser auferlegtes Verhältnis zur Umwelt zu hinterfragen.
Ihre Arbeiten sind Teil der Sammlungen renommierter Museen und Kunstgalerien, darunter Tate Modern (England), Centre Pompidou (Frankreich), Thyssen-Bornemisza Museum (Spanien), Whitney Museum (USA), Denver Art Museum (USA), MALBA Museum (Argentinien), Museu de Arte Contemporânea do Rio Grande do Sul - MAC RS (Brasilien), Museo Nacional de Bellas Artes (Chile) und MAC (Chile). Sie nahm an internationalen Biennalen teil, darunter die 60. Biennale von Venedig, die Whitney Biennial, die 34. Bienal de São Paulo, die 12. Bienal de Mercosur und die 22. Bienal Paiz.
Calfuqueo wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter von der Fundación FAVA (2018), Eyebeam’s Fractal Fellowships Program (2020), Fundación Ama Amoedo’a FAARA (2023) und mit dem Premio Cuervo durch Zona Maco (2024).
Simone Cangelosi
Simone Cangelosi (geboren 1968 in Pisa) ist ein italienischer Filmregisseur. Sein Werk beschäftigt sich intensiv mit Themen der Identität und der historischen Aufarbeitung von LGBT-Bewegungen. In seinen Dokumentarfilmen nutzt er häufig Amateurarchivmaterial, das von politischen Aktivist*innen geschaffen wurde, um die Geschichte und Kämpfe der Community authentisch und eindringlich darzustellen.
Libia Castro und Ólafur Ólafsson
Libia Castro (Spanien) und Ólafur Ólafsson (Island) begannen ihre Zusammenarbeit als Künstlerteam 1997 in den Niederlanden. Sie leben in Rotterdam und arbeiten regelmässig in Reykjavík und Málaga.
Ihre künstlerische Praxis ist kollaborativ, konzeptionell, sozialpolitisch engagiert und transdisziplinär. Im Laufe der Jahre haben sie sich aktivistischen Gruppen angeschlossen und andere Künstler*innen sowie Fachleute eingeladen, gemeinsam Kunst und Aktivismus zu verbinden. Dabei schaffen sie temporäre, flexible "Do-It-Together"-Kollektive sowie langfristige Projekte. Ihre Arbeit ist prozessual und kritisch verortet und entwickelt sich in Performances, multimedialen Umgebungen, Filmen, Workshops, Programmen, plastischen oder immateriellen Interventionen und Aktionen in unterschiedlichen Kontexten.
Castro und Ólafsson haben in vielfältigen Umgebungen gearbeitet und ausgestellt, darunter öffentliche Plätze, Parlamente, Strassen, Fassaden, Dächer, soziokulturelle und ökologische Initiativen, zivilgesellschaftliche Vereinigungen, Museen, Kunstbiennalen, besetzte Häuser, Schulen und Universitäten.
Mao Chenyu
Mao Chenyu (lebt und arbeitet in Shanghai) ist der Gründer von Paddyfilm. Seit 2003 arbeitet er im Gebiet des Dongting-See-Wassereinzugsgebiets an dem Projekt Paddyfilm. Im Jahr 2012 gründete Mao die experimentelle soziale Plattform Paddyfilm-farm in der Provinz Hunan, die ländliche Gesellschaften in China untersucht und analysiert. Dreissig Reisfelder wurden in selbstversorgende Landwirtschaftssysteme umgewandelt, die die sprachlichen und filmischen Praktiken von Paddyfilm fördern. Im Jahr 2015 richtete Mao innerhalb der Paddyfilm-farm die private Elaphurus Davidianus Universität ein, um soziale Forschung und Bildung als eine Art institutionelle Praxis durchzuführen.
Sim Chi Yin
Sim Chi Yin (geb. 1978, Singapur) ist eine Künstlerin, deren forschungsbasierte Praxis künstlerische und archivische Interventionen nutzt, um Geschichtsschreibung und koloniale Narrative zu hinterfragen und zu komplizieren. Sie arbeitet medienübergreifend mit Fotografie, Film, Installationen, Performance und Buchgestaltung.
Ihre Werke wurden unter anderem auf der 60. Biennale von Venedig (2024), im Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2024), im Gropius Bau, Berlin (2023), im Barbican, London (2023), bei Camera Austria, Graz (2024), in den Harvard Art Museums, Boston, USA (2021), bei Les Rencontres d’Arles, Frankreich (2021), im Nobel Peace Museum, Oslo (2017), im Datsuijo, Tokio (2024), im Arko Art Centre, Seoul (2016), in der Zilberman Gallery, Berlin (2021) und in der Hanart TZ Gallery, Hongkong (2019) ausgestellt. Darüber hinaus nahm sie an der Istanbul Biennale (2022, 2017) und der Guangzhou Image Triennial (2021) teil.
Ihre Arbeiten befinden sich in renommierten Sammlungen, darunter das J. Paul Getty Museum, die Harvard Art Museums, M+ Hongkong, die Deutsche Börse Photography Foundation, das Singapore Art Museum und das National Museum Singapore. Sim Chi Yin war Artist Fellow im Independent Study Program des Whitney Museum (2022–2023) und hat einen PhD in War Studies vom King’s College London. Im August 2024 feierte sie mit einem einstündigen Monolog ihr Theaterdebüt.
Cráter Invertido
Cráter Invertido ist ein multidisziplinäres Kollektiv mit Sitz in Mexiko-Stadt, das experimentelle Formen des kollektiven Lernens, der künstlerischen Produktion und verschiedener Praktiken der Selbstpublikation entwickelt. In diesem Zusammenhang spielen die Druckwerkstatt Taller XD und das Online-Radio Radio Tropiezo eine zentrale Rolle, um zu verdeutlichen, dass Selbstpublikation ohne kollektive Arbeit nicht möglich ist.
Das Kollektiv Cráter Invertido hat das Ziel, die Vorstellung von individuellen Bemühungen, Kreationen oder Verantwortlichkeiten, die isoliert von einer Gemeinschaft existieren, zu hinterfragen und abzubauen.
Mujeres Creando und Maria Galindo
María Galindo (1964, La Paz) ist eine Künstlerin, Performerin, Aktivistin, Autorin und Mitbegründerin des bolivianischen Kollektivs Mujeres Creando (Frauen, die erschaffen). Sie bringt die wenig beachtete Perspektive indigener Frauen in einen Dialog mit Praktiken des nicht-weissen Feminismus, Anarchismus und Punk und kritisiert die vorherrschenden neokolonialistischen, neoliberalen und religiösen Strukturen. 2013 veröffentlichte sie eines ihrer wichtigsten Werke No se puede descolonizar sin despatriarcalizar, in dem sie das Patriarchat als Grundlage aller Herrschaft, einschließlich Rassismus, kritisiert. María Galindo ist eine der bekanntesten Kult-Figuren des Feminismus Lateinamerikas und hat in den letzten 15 Jahren eine radikale künstlerische Praxis geschaffen. Mit ihren anarcho-feministischen performativen Aktionen sorgt sie in Bolivien für öffentlichkeitswirksame Skandale.
Critical Art Ensemble
Critical Art Ensemble (1987–2025). Das Kollektiv versuchte, die Schnittstellen zwischen Kunst, kritischer Theorie, Technologie und politischem Aktivismus zu erkunden. Die Gruppe stellte international an verschiedenen Orten aus und führte Performances auf – von der Strasse über das Museum bis hin zum Internet. Das Kollektiv bestand aus taktischen Medienpraktiker*innen mit unterschiedlichen Spezialisierungen, darunter Computergrafik und Webdesign, Film/Video, Fotografie, Textkunst, Buchkunst und Performance.
Chto Delat
Die Künstlergruppe Chto Delat (What is to be done?) wurde Anfang 2003 in Petersburg von einer internationalen Arbeitsgruppe aus Künstlern, Kritikern, Philosophen und Schriftstellern aus St. Petersburg, Moskau, Nischni Nowgorod und Berlin gegründet, mit dem Ziel, politische Theorie, Kunst und Aktivismus zu verbinden.
Die internationale Kernmitglieder von Chto Delat sind Tsaplya Olga Egorova (Künstlerin), Artiom Magun (Philosoph), Nikolay Oleynikov (Künstler), Natalia Pershina / Glucklya (Künstlerin), Alexey Penzin (Philosoph), Alexander Skidan (Dichter und Kritiker), Oxana Timofeeva (Philosophin), Dmitry Vilensky (Künstler) und Nina Gasteva (Choreografin). Ehemalige Mitglieder der Gruppe sind David Riff und Thomas Cambell.
Die Gruppe wurde im Mai 2003 in St. Petersburg durch eine Aktion mit dem Titel The Refoundation of Petersburg konstituiert. Der Name der Gruppe leitet sich von einem Roman des russischen Schriftstellers Nikolai Tschernyschewski aus dem 19. Jahrhundert ab und erinnert sofort an die ersten sozialistischen Arbeiter-Selbstorganisationen und feministischen Kooperativen in Russland, die Lenin in seiner eigenen Veröffentlichung What is to be done? (1902) aktualisierte.
Die Gruppe war Teil von Journal of Journal, Documenta 12, Kassel (2007); Fellows der 11. Ausgabe der Gwangju Biennale im Jahr 2016; des Forschungsprogramms des Garage Museum Field Research Program im Jahr 2017; Philipp Otto Runge Residency and Stipendium in Hamburg, 2013; Teilnehmer von Former West (2010–2014) und wurde für den Visible Art Award im Jahr 2017 nominiert.
Caleb Duarte und Mia Eve Rollow
Caleb Duarte ist vor allem dafür bekannt, temporäre Installationen zu schaffen, die Baugerüste wie Erde, Zement und Objekte verwenden, die grundlegende Unterkünfte suggerieren. Seine Installationen in institutionellen Umgebungen werden zu Schauplätzen für Performances, die Interpretationen seiner Gemeinschaftskollaborationen darstellen. Duarte hat öffentliche Kunstwerke und Gemeinschaftsperformances beim World Social Forum in Mumbai, Indien, Santiago de Cuba, Kuba, El Pital, Honduras sowie in ganz Mexiko und den Vereinigten Staaten geschaffen. Er hat mit autonomen indigenen Zapatista-Gemeinschaften, bewegten Gemeinschaften, arbeitenden Kindern und Geflüchteten zusammengearbeitet.
Mia Eve Rollow ist eine global nomadische, multidisziplinäre Künstlerin, deren Arbeit sich mit Themen wie Mobilität und den lähmenden Auswirkungen von Machtstrukturen auseinandersetzt. Sie nutzt ortsspezifische und gemeinschaftsorientierte Formen wie Performance, Wandmalerei, Zeichnungen, Video, Film und Skulptur, um spirituelle, soziale und kulturelle Widerstandslandschaften zu schaffen.
Als Mitbegründerin von EDELO (En Donde Era La ONU/Where the United Nations Used to Be) im Jahr 2009 hat sie Netzwerke der Zusammenarbeit zwischen Gemeinschaften auf der ganzen Welt aufgebaut – darunter in Mexiko, Chile, Palästina und Kuba. Ihre Arbeit basiert auf der Überzeugung, dass kulturelle Produktion essenziell für sozialen Wandel ist und ästhetische Strategien für Überleben, Solidarität und Vorstellungskraft inmitten ökologischer Krisen und staatlich sanktionierter Gewalt bietet.
In einer entscheidenden Phase der Menschheitsgeschichte, geprägt von Krisen, irreversiblen Umweltschäden, unaufhörlicher Gier und zunehmenden Benachteiligungen, während Regierungen zunehmend marginalisierte Bevölkerungsgruppen ins Visier nehmen, sieht Mia Eve Rollow Kunst als Katalysator für Bewusstseinsbildung und kollektives Handeln. Als behinderte Künstlerin, die mit den am stärksten betroffenen Gemeinschaften arbeitet, glaubt sie, dass Kunst Menschen befähigen kann, zusammenzukommen und bedeutende Veränderungen zu bewirken.
Ali Essafi
Ali Essafi wurde 1963 in Marokko geboren und studierte Psychologie in Frankreich, bevor er in die Welt des Filmemachens eintrat. Zu seinen Filmen gehören General, Here We Come! (Général, Nous Voilà!), The Silence of the Beet Fields (Le Silence des Champs de Betterave), Ouarzazate Movie und Shikhat’s Blues, die weltweit auf internationalen Festivals gezeigt wurden, darunter im MoMA (2011) und auf der Triennale de Paris (2012).
Nach seiner Rückkehr nach Marokko im Jahr 2002 arbeitete er als Berater für die künstlerische Leitung des marokkanischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders. Parallel dazu führte er umfangreiche Forschungen zu nordafrikanischen Film- und visuellen Archiven durch, die zu neuen Filmen (Sharjah Art Biennale 2011, Berlinale), Installationen (Dakar Art Biennale 2014) und Publikationen (Deutschland, Frankreich, Österreich, Marokko) führten. Seine neuesten Archivfilme wurden 2017 auf der Berlinale (Crossing the Seventh Gate) und 2020 beim IDFA (Before the Dying of the Light) uraufgeführt.
Ali Essafi arbeitet als Filmemacher, bildender Künstler und Kurator. Er ist Mitglied verschiedener Kunst- und Film-Institutionen, darunter der Academy of Motion Pictures, Arts and Sciences.
Marcelo Expósito
Marcelo Expósito (geb. 1966, Spanien) ist Künstler und Kulturkritiker. Er war Stipendiat an der Spanischen Akademie in Rom und seine jüngsten Einzelausstellungen fanden an Orten wie La Virreina Centre de la Imatge (Barcelona), MUAC (Mexiko-Stadt), Parque de la Memoria (Buenos Aires) und PAV (Turin) statt. Seine Arbeiten wurden auch in aktuellen Gruppenausstellungen gezeigt, darunter Histórias da ecologia (MASP, São Paulo, 2025), die 16. Cuenca Biennale (Ecuador, 2023) und die Biennale Arte (Venedig, 2024), als Teil des Disobedience Archive, kuratiert von Marco Scotini. Sein jüngstes Buch, Interrupciones y movimientos. El arte politizado en la crisis del neoliberalismo (Unterbrechungen und Bewegungen: Politisierte Kunst in der Krise des Neoliberalismus), wurde in Chile vom Verlag Metales Pesados veröffentlicht. Im Jahr 2025 war Marcelo Expósito Gastdozent an der Nuova Accademia di Belle Arti (NABA, Mailand) sowie an der Fakultät für Kunst der Universität von Chile in Santiago.
Alberto Grifi
Geboren in einer Werkstatt, in der sein Vater Lastwagen und spezielle Filmkameras baute, gilt Alberto Grifi (1938–2007) als einer der ersten Autoren des sogenannten „italienischen experimentellen Kinos“. Er war Maler, Regisseur, Kameramann, Tontechniker, Schauspieler, Werbefotograf für Flugzeuge und Erfinder video-filmischer Geräte wie des „Vidigrafo“, mit dem 1972 „Anna“ auf Film übertragen wurde – der erste in Italien videoregistrierte Film, den er gemeinsam mit Massimo Sarchielli inszenierte. „Anna“ wurde zu einem Kultfilm der alternativen Kultur nach 1968 und später 1975 auf den Filmfestivals in Berlin und Venedig sowie 1976 in Cannes präsentiert.
Im Jahr 2004 nahm Alberto Grifi während der 61. Internationalen Filmfestspiele von Venedig am Projekt Geheime Geschichte des italienischen Kinos, das Teil der Retrospektive Underground Italien war, teil. Zu den Projekten und Aktivitäten, die er gemeinsam mit Interact Spa realisierte, gehörte neben der Entwicklung der Lavanastri auch die Fertigstellung der Filme Autoritratto Auschwitz/L'occhio è per così dire l'evoluzione biologica di una lacrima (Selbstporträt Auschwitz/Das Auge ist sozusagen die biologische Evolution einer Träne) und In viaggio con Patrizia (Unterwegs mit Patrizia), beide aus den 1960er Jahren, sowie Pläne zur Fertigstellung oder Überarbeitung zweier weiterer Filme, Michele alla ricerca della felicità (Michele auf der Suche nach Glück) und Dinni e la normalina (Dinni und die Normalina). Nach seinem Tod wurde sein Film In viaggio con Patrizia, der von Interact gemäss Albertos detaillierten Regie- und Schnittanweisungen fertiggestellt wurde, auf dem Filmfestival in Rom präsentiert.
Raphaël Grisey und Bouba Touré
Raphaël Grisey (geboren 1979, lebt in Berlin) ist Künstler, Forscher und Filmemacher. Grisey nutzt filmische, redaktionelle und fotografische Arbeiten, um Themen wie Erinnerungspolitik, Architektur, Migration und Landwirtschaft zu behandeln.
Bouba Touré (1948–2022, lebte in Paris und Somankidi Coura, Mali) war Bauer, Aktivist, Arbeiter, Schriftsteller und Fotograf. Touré lebte seit 1965 in Frankreich, arbeitete in der Fabrik Chausson und studierte an der Universität Vincennes. Er war Filmvorführer im Cinema 14 Juillet und L’entrepôt in Paris. Seit den 1970er Jahren dokumentierte er das Leben und die Kämpfe von Migrant*innen und Bauern in Frankreich und Mali. 1977 war er Mitbegründer der Genossenschaft von Somankidi Coura. Ab den 1980er Jahren stellte er seine Werke aus und hielt Vorträge in Gemeinschafts- und Foyerkreisen, später auch in Kunstinstitutionen. Seine fotografischen Arbeiten wurden unter anderem bei den Bamako Encounters (2019) und der Hamburger Fotografie Triennale (2022) präsentiert.
Seit 2006 arbeiteten Touré und Grisey gemeinsam an Projekten unter dem Titel Sowing Somankidi Coura, a Generative Archive. Diese Zusammenarbeit führte zu verschiedenen Workshops, Filmen (zum Beispiel mit der Theatergruppe Kaddu Yaraax von 2017 bis 2019), Publikationen und Texten, wie etwa Sowing Somankidi Coura, a Generative Archive (2017, Archives Book). Ihre Arbeiten, einschliesslich ihres neuesten Films Xaraasi Xanne (Crossing Voices) aus dem Jahr 2022, wurden in Gemeinschafts- und Aktivistenräumen, Veranstaltungsorten, Kunstzentren und Festivals gezeigt.
Grupo de Arte Callejero
El GAC / Grupo de Arte Callejero ist seit 1997 aktiv. Die Gruppe besteht derzeit aus Lorena Bossi, Carolina Golder, Mariana Corral, Vanesa Bossi und Fernanda Carrizo.
Die Gruppe verbindet und verwischt die Grenzen zwischen Kunst und Politik. Viele ihrer Projekte entstehen und/oder entwickeln sich durch kollektive Prozesse, wobei der prozessuale Aspekt ein grundlegendes Element ihrer Aktionen und Interventionen darstellt. Ihre Produktionsdynamik verändert sich durch den Austausch mit anderen. Derzeit verwalten sie ihr eigenes Archiv: https://archivogac.ar/.
1999 gewannen sie den Skulpturenwettbewerb für den Parque de la Memoria mit ihrer Arbeit Carteles de la Memoria. 2009 veröffentlichten sie das Buch GAC Pensamientos, prácticas y acciones. 2019 wurde das Buch von der Redaktion Common Notions ins Englische übersetzt und veröffentlicht. 2022 erhielten sie den Konex-Preis für Bildende Kunst in der Kategorie Künstlerkollektive.
Sie haben an Treffen, Konferenzen und zahlreichen Ausstellungen sowohl national als auch international teilgenommen. Zu den Highlights zählen: Teilnahme an den Biennalen von Venedig in den Jahren 2003 und 2019; Ex Argentina, Ludwig Museum, Deutschland, 2004; Disobedience Archive, 2012-2013-2014-2022-2025; Disobedient Objects, Victoria and Albert Museum, London, 2015; Resistance Performed, Migros Museum, Zürich, 2016; Artivism, Kanadisches Museum für Menschenrechte, 2021; Giro gráfico, Reina Sofía Museum, Madrid, Spanien, 2022.
Grupo Etcétera…
Etcétera wurde 1997 in Buenos Aires gegründet und ist ein interdisziplinäres Kollektiv aus bildenden Künstler*innen und Performer*innen. Im Jahr 2005 waren sie Mitbegründer der International Errorist-Bewegung, einer internationalen Organisation, die den Fehler als Lebensphilosophie proklamiert. Ihre Arbeit umfasst häufig Street-Art, öffentliche Interventionen, Aktionen und Performances, die notwendigerweise kontextbezogen, vergänglich und situationsbedingt sind.
Seit 2007 wird das Kollektiv von den Mitbegründer*innen Loreto Garín Guzmán (Chile) und Federico Zukerfeld (Argentinien) geleitet. Ihre Werke prangern Menschenrechts- und Umweltmissbräuchen durch theatralische und poetische Aktionen und Statements an, die oft unter persönlichem Risiko ausgeführt werden.
Neben ihrer Tätigkeit im öffentlichen Raum haben sie an zahlreichen internationalen Ausstellungen und Biennalen teilgenommen, darunter: Berlin Biennale (2025), Bienal Sur (2023/2019), Biennial Performance, BAires (2016/2022), Jakarta Biennale (2015), Sao Paulo Biennale (2014), Athens Biennale (2013), dOCUMENTA 13 (2012), Istanbul Biennale (2009), Taipeh Biennale (2008), Collective Creativity, Fridericianum Museum, Kassel (2005), Ex-Argentina, Ludwig Museum, Köln (2004) und andere.
2013 gewannen sie die zweite Ausgabe des International Award for Participatory Art in Bologna, Italien, für ihr Projekt C.R.I.S.I (Commune of Research for Inclusive Social Imagination). 2015 erhielten sie den Prince Claus Award in den Niederlanden. Zwischen 2020 und 2022 entwickelten sie das Projekt NEO-EXTRA-ACTIVISM: Protocols for Buen Vivir im Rahmen des Boris Lurie - Vera List Center Fellowships in NYC. Im Jahr 2023 wurden sie mit dem Platinum Konex Award für Bildende Kunst (Argentinien) ausgezeichnet. Von 2022 bis 2024 sind sie Mentor*innen des Programms CAREC: Cultural & Artistic Responses to Environmental Change, das vom Prince Claus Fund und Goethe-Institut organisiert wird.
Barbara Hammer
Barbara Hammer (1939–2019) war eine wegweisende feministische Filmemacherin, bildende Künstlerin und lesbische Aktivistin. Über einen Zeitraum von mehr als fünfzig Jahren schuf sie über neunzig Filme sowie Installationen, Performances, Fotografien, Collagen und Zeichnungen, die sich mit Themen wie Geschlecht, Sexualität, Gemeinschaft, Krankheit und Sterblichkeit auseinandersetzen. Hammer widmete ihre künstlerische Praxis dem Widerstand gegen traditionelle Vorstellungen von weiblicher Sexualität, der Darstellung lesbischer Leben und Geschichten aus einer weiblichen Perspektive. Ihre Werke wurden national und international ausgestellt und befinden sich in der Sammlung des Whitney Museum of American Art, New York; des Museum of Modern Art, New York; des Centre Georges Pompidou, Paris; der Calparsoro Foundation, Madrid/San Sebastian, und der Akeroyd Collection, USA.
Harun Farocki und Andrei Ujica
Harun Farocki. Geboren am 9. Januar 1944 in Nový Jičín (Neutitschein), damals Sudetengau, heute Tschechische Republik. 1966–1968 Aufnahme an die neu gegründete Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). 1966 Heirat mit Ursula Lefkes. 1968 Geburt der Töchter Annabel Lee und Larissa Lu. 1974–1984 Autor und Redakteur der Zeitschrift Filmkritik, München. 1998–1999 Speaking about Godard / Von Godard sprechen, New York / Berlin (zusammen mit Kaja Silverman). 1993–1999 Gastprofessor an der University of California, Berkeley. 2001 Heirat mit Antje Ehmann. Seit 1966 über 100 Produktionen für Fernsehen oder Kino: Kinderfernsehen, Dokumentarfilme, Essayfilme, Spielfilme. Seit 1996 verschiedene Einzel- und Gruppenausstellungen in Museen und Galerien. 2007 Teilnahme an der documenta 12 mit Deep Play. Seit 2004 Gastprofessor, 2006–2011 Professur an der Akademie der bildenden Künste Wien. 2011–2014 Langzeitprojekt Labour in a Single Shot, zusammen mit Antje Ehmann. Am 30. Juli 2014 bei Berlin verstorben.
Andrei Ujica wurde im Jahr 1951 in Rumänien geboren. Er ist Autor und Regisseur, bekannt für Autobiografia lui Nicolae Ceausescu (2010), TWST: Things We Said Today (2024) und Out of the Present (1996).
Khaled Jarrar
Khaled Jarrar wurde 1976 in Dschenin, (besetztes) Palästina geboren. Jarrar schloss 1996 sein Studium in Innenarchitektur an der Palestine Polytechnic University ab. Nach seinem Abschluss schmuggelte er sich nach Nazareth, um dort als „illegaler“ Arbeiter im Untergrund als Schreiner zu arbeiten. 1998 nahm Jarrar an einem intensiven militärischen Training teil, woraufhin ihn Arafat als persönlichen Leibwächter rekrutierte – eine Position, die er bis zu Arafats Ermordung im Jahr 2004 innehatte.
Während seiner 25-jährigen Karriere in der Präsidialgarde der Palästinensischen Autonomiebehörde schuf Jarrar ein Leben zwischen dem Militär und seiner künstlerischen Praxis.
Jarrar begann 2005 mit der Fotografie. Er schloss 2011 sein Studium an der International Academy of Art – Palestine in Ramallah ab und erwarb 2019 seinen MFA in Bildender Kunst an der University of Arizona, wo er 2016 mit dem Anni-und-Heinrich-Süssmann-Preis ausgezeichnet wurde.
Jarrar, ein multidisziplinärer Künstler, untersucht moderne Machtkämpfe und deren soziokulturelle Auswirkungen auf gewöhnliche Bürger*innen durch Fotografien, Videos, Filme, Performances und interaktive Kunst.
Sara Jordenö
Sara Jordenö ist eine preisgekrönte bildende Künstlerin und Filmemacherin, deren forschungsbasierte Praxis das non-fiktionale Kino als Ort der relationalen Untersuchung nutzt und dabei Zusammenarbeit, Mitautor*innenschaft und die Ethik des Zeuginnenschaftens in den Vordergrund stellt. An der Schnittstelle von Kunst, visueller Soziologie und aktivistischer Forschung untersucht Jordenö, wie Begegnungen – zwischen Sprecher*in und Zuhörer*in, Kamera und Subjekt, Institution und Gemeinschaft – materielle und politische Bedingungen von Bedeutung erzeugen. Ihre Arbeiten wurden international präsentiert, unter anderem bei der Biennale di Venezia, im Moderna Museet, in der Kunsthal Charlottenborg, im Walker Art Center, im MoMA PS1 und in The Kitchen, und thematisieren Fragen von Migration, räumlicher Ungerechtigkeit und kollektiver Handlungsfähigkeit im Rahmen einer erweiterten dokumentarischen Form.
Sanjay Kak
Sanjay Kak ist ein unabhängiger Dokumentarfilmer und Autor, dessen jüngste Werke die Filme Red Ant Dream (2013), Jashn-e-Azadi (2007) und Words on Water (2002) umfassen. Er ist Herausgeber der Anthologie Until My Freedom Has Come – The New Intifada in Kashmir sowie des viel beachteten Fotobuchs Witness – Kashmir 1986-2016, 9 Photographers, das er unabhängig unter dem Verlag Yaarbal Books veröffentlichte. Bei Yaarbal hat er zudem das kürzlich erschienene Buch Cups of nun chai von Alana Hunt herausgegeben und veröffentlicht.
Karrabing Film Collective
Das Karrabing Film Collective (gegründet 2012, Australien) ist eine basisorientierte indigene Mediengruppe, die aus über dreissig Mitgliedern besteht. Sie betrachten das Filmemachen als eine Form der Selbstorganisation und als ein Mittel, um die zeitgenössischen sozialen Bedingungen der Ungleichheit zu untersuchen. Filmvorführungen und Publikationen ermöglichen es dem Karrabing Collective, eine lokale künstlerische Sprache zu entwickeln und den Zuschauer*innen neue Formen kollektiver indigener Handlungsmacht zu vermitteln. Ihre Filme repräsentieren ihr Leben, schaffen Verbindungen zu ihrem Land und greifen in globale Bilder von Indigenität ein.
Ihre Filme und Installationen wurden unter anderem im MoMA-PS1 in New York, der Secession in Wien, dem Haus der Kunst in München, der Contour Biennale in Mechelen (Belgien), dem Berlinale Forum Expanded, der Ausstellung Hallucinations in Athen im Rahmen der documenta 14, der Sydney Biennale, auf vdrome.org, bei e-flux supercommunity auf der Biennale in Venedig, bei Doc’s Kingdom in Lissabon und im Wexner Center for the Arts in Columbus (Ohio) gezeigt. Sie wurden unter anderem mit dem Visible Award (2015) und dem Eye Film Prize des Eye Filmmuseum (2022) ausgezeichnet.
Bani Khoshnoudi
Bani Khoshnoudi ist Künstlerin, Filmemacherin und Autorin, deren Arbeit sich über Film, Installation, Dokumentation und Text erstreckt. Ihre Praxis ist in Forschung und Erinnerung verwurzelt und beschäftigt sich häufig mit der Rolle der Medien und wie diese Geschichtsnarrative konstruieren und beeinflussen. Sie studierte an der University of Texas at Austin und war Whitney ISP Studio Program Fellow (2008–2009). Ihren Master (Diplôme National Supérieur d’Expression Plastique) in Kunst erwarb sie an der ENSAPC Cergy in Frankreich.
Bani Khoshnoudi hat gefeierte Filme wie A People in the Shadows, The Silent Majority Speaks und The Vanishing Point gedreht. Letzterer gewann den Burning Lights Jury Prize bei Visions du Réel im Jahr 2025. Sie arbeitet zudem mit Fotografie, Archivmaterial und Installationen.
Als Gewinnerin des Herb Alpert Award in the Arts in Film/Video 2022 hat Bani ihre Werke unter anderem im Centre Pompidou und der Fondation Cartier in Paris, bei BOZAR in Brüssel, der Fundação Serralves in Porto, im MUAC und Museo El Eco in Mexiko-Stadt sowie bei der 60. Biennale di Venezia im Jahr 2024 in der Hauptausstellung Foreigners Everywhere als Teil des Disobedience Archive präsentiert.
Pedro Lemebel
Pedro Lemebel (1952–2015) gilt als einer der bedeutendsten queeren Schriftsteller des 20. Jahrhunderts in Lateinamerika. Geboren in Santiago, Chile, wurde er während der Pinochet-Diktatur und deren Nachwirkungen zu einer renommierten Stimme der lateinamerikanischen Gegenkultur. 1999 erhielt er ein Guggenheim-Stipendium, um Geschichten über Homosexualität in Chile zu sammeln, und 2013 wurde ihm der José-Donoso-Preis verliehen. Sein einziger Roman, Mein zärtlicher Matador (My Tender Matador), wurde 2020 von dem chilenischen Regisseur Rodrigo Sepúlveda in einen viel beachteten Film adaptiert.
LIMINAL und Border Forensics
LIMINAL ist ein Labor, das intersektionale (Im-)Mobilitäten und Grenzgewalt erforscht. Angesiedelt am Fachbereich für Kunst der Universität Bologna, baut es auf über zehn Jahre Erfahrung in der Entwicklung wegweisender Techniken für geospatiale, mediale und Open-Source-Untersuchungen im Rahmen der Projekte Forensic Oceanography und Border Forensics auf.
Das Labor arbeitet mit von Grenzgewalt betroffenen Gemeinschaften zusammen, um die Schäden, die durch ungleiche Mobilitätsregime entstehen, zu dokumentieren und anzufechten. Dabei werden Strategien der räumlichen und visuellen Analyse sowie forensische Imagination mobilisiert.
Das Team von LIMINAL besteht aus Architekt*innen, Designer*innen und Forscher*innen und kooperiert mit einer Vielzahl von Partnern: von Menschenrechtsorganisationen über investigative Journalist*innen und Aktivist*innengruppen bis hin zu autonomen Forschungszentren, Wissenschaftler*innen und kulturellen Institutionen. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wurden als Beweismaterial vor Gericht verwendet, in verschiedenen Medien und akademischen Publikationen veröffentlicht sowie international ausgestellt und gezeigt.
Zwischen 2022 und 2027 konzentriert sich LIMINAL hauptsächlich auf das von der ERC finanzierte Projekt Hostile Environments, das darauf abzielt, die miteinander verbundenen Naturen der sogenannten Migrations- und Umweltkrisen über katastrophistische und sicherheitsorientierte Perspektiven hinaus zu entschlüsseln.
Silvia Maglioni und Graeme Thomson
Silvia Maglioni und Graeme Thomson sind Filmemacher*innen, Künstler*innen und Forscher*innen, deren Arbeit die durchlässigen Schwellen zwischen Fiktion und Dokumentation, Sichtbarem und Unsichtbarem, Hörbarem und dem, was zum Schweigen gebracht wurde, kritischem Denken und den Kräften der Wiederverzauberung erkundet.
Ihr Fokus liegt auf der Reaktivierung verlorener, marginalisierter oder vergessener Archive, Erzählungen und Geschichten. Ihre Praxis ist forschungsbasiert, prozessorientiert und transdisziplinär und umfasst Filme (darunter Facs of Life, In Search of UIQ, Common Birds und Late Gestures), Mixed-Media-Installationen, experimentelle Ausstellungen, Klangarbeiten, Film-Performances, Radiosendungen und Bücher.
Ein zentraler Bestandteil ihrer Arbeit ist die Entwicklung von „vernakularen Technologien“ – Werkzeugen, die kollektive Visionen teilen und Zeit-Räume der Geselligkeit eröffnen, wie etwa das Dark Matter Cinema Tarot und das jüngste Projekt Word Clinic, ein nomadisches Vorhaben, das darauf abzielt, Sprache gemeinschaftlich zu heilen.
Ihre Werke wurden weltweit in Kunstinstitutionen, Museen und Filmfestivals präsentiert, installiert und gezeigt.
Angela Melitopoulos
Angela Melitopoulos künstlerisches Werk besteht aus komplexen kinematographischen Kartographien, die die Form von Videoinstallationen, Videoessays und Klangstücken annehmen, in denen bewegte Körper und Ortsdurchquerungen mnemonische Milieus schaffen. Ihre Filminstallationen zu kollektiven Erinnerungskultur stehen für eine postkoloniale Allianz, widerständige Subjektivität und Revisionen der Geschichte, der imperialistischen Gewalt, des Faschismus und der Erfahrung von Migrationen im 20. Jahrhundert.
Seit 1985 hat sie ihre Videos in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt. Eine Retrospektive fand 2023 im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia statt. Sie hat einen PhD in Visual Cultures mit dem Titel Machinic Animism and the revolutionary practice of geo-psychiatry. (Goldsmiths University of London). Sie lehrte als Professorin für Medienkunst an der Königlich Dänischen Akademie der Schönen Künste und an der HfG Karlsruhe, Deutschland.
Carlos Motta
Carlos Motta, geboren in Kolumbien und ansässig in New York, ist ein Künstler, dessen Praxis die sozialen Bedingungen und politischen Kämpfe von sexuellen, geschlechtlichen und ethnischen Minderheitengemeinschaften dokumentiert. Als Chronist unbeachteter Erzählungen erforscht er die Erfahrungen postkolonialer Subjekte und Gesellschaften durch eine Vielzahl von Medien, darunter Video, Installation, Skulptur, Zeichnung, webbasierte Projekte, Performance und Symposien. Die Mid-Career-Retrospektive Carlos Motta: Pleas of Resistance wurde 2025 im Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA) gezeigt und wird 2026 im OK Center for Contemporary Art in Linz präsentiert.
Pınar Öğrenci
Die Künstlerin und Filmemacherin Pınar Öğrenci (*1973, Wan, Türkei) lebt in Berlin. Ihre Arbeiten sind dekoloniale und feministische Lesarten, die sich an den Schnittstellen von sozialer und politischer Forschung, alltäglichen Praktiken und menschlichen Geschichten bewegen und sich mit den Akteur:innen von Vertreibung befassen.
Öğrenci setzt sich mit Ort, Raum und Architektur als Materialisierung von Gewalt auseinander. Ihre Praxis versteht sich als Antwort auf eine oft verschwiegene kollektive Vergangenheit und fordert ihr Publikum auf, sich eine Zukunft vorzustellen, die auf Gerechtigkeit, Gleichheit und kollektiver Heilung basiert.
Ihre Werke wurden weltweit in Museen und Kunstinstitutionen ausgestellt, darunter: HKW, Berlin (2025), Venedig Biennale (Disobedience Archive, 2024), Harward Museum (2024), documenta fifteen, Kassel (2022), Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg MK&G (2024), Berlinische Galerie (2023), Frac Bretagne, Rennes (2024), 12. Gwangju Biennale (2018), Sharjah Biennale 13 (2017), Kunst Haus Wien – Hundertwasser Museum (2017) und viele weitere.
Daniela Ortiz
Daniela Ortiz ist eine peruanische Künstlerin, deren Arbeit darauf abzielt, visuelle Erzählungen und pädagogische Werkzeuge zu schaffen, die Konzepte wie Nationalität, Rassifizierung, soziale Klasse und Geschlecht analysieren, um die Strukturen kolonialer, patriarchaler und kapitalistischer Macht aus einer antiimperialistischen Perspektive kritisch zu verstehen.
Sie widmet ihre Arbeit der Kritik am europäischen Migrationskontrollsystem, dessen Verbindungen zum Kolonialismus und der Verstärkung von institutionellem Rassismus, der Gewalt gegen migrantische Gemeinschaften und rassifizierte Arbeiter*innenklassen ausübt. Gleichzeitig hebt sie den Widerstand gegen diese Systeme hervor. Seit ihrer Rückkehr nach Peru beschäftigt sie sich mit Themen wie internationaler Solidarität, Fürsorge aus einer politischen Perspektive, Mechanismen der Unterdrückung und Verfolgung durch "anti-terroristische" Politiken sowie antiimperialistischen revolutionären Prozessen des 20. und 21. Jahrhunderts.
In ihrer frühen Arbeit untersuchte Ortiz die peruanische Oberschicht und deren ausbeuterische Beziehung zu Hausangestellten sowie die Rolle der Eliten in der Bergbauindustrie. Aktuelle Werke fokussieren sich wieder auf visuelle und manuelle Techniken, darunter Keramik, Collage und Zeichnungen sowie Formate wie Kinderbücher und Puppen, mit dem Ziel, sich von eurozentrischen konzeptuellen Ästhetiken zu distanzieren.
Neben ihrer künstlerischen Arbeit ist Daniela Mutter von drei Kindern, hält Vorträge und Workshops und beteiligt sich aktiv an verschiedenen Debatten und Kämpfen gegen die koloniale Ordnung.
Paloma Polo
Zu den ausgewählten Höhepunkten der Laufbahn von Paloma Polo zählen Residenzen bei De Ateliers (Amsterdam) und Les Laboratoires d’Aubervilliers (Paris), eine Position als Visiting Research Fellow an der University of the Philippines Diliman sowie ein Fulbright Visiting Scholar-Stipendium 2024/25 am Center for Global Indigenous Cultures and Environmental Justice der Syracuse University. Sie hat Einzelausstellungen in renommierten Institutionen wie dem Museo Reina Sofía und CA2M (Madrid), kurimanzutto und Casa Barragán (Mexiko-Stadt), Arts Catalyst (London) und SKOR (Amsterdam) präsentiert. Ihre Arbeiten wurden unter anderem auf der 55. Biennale von Venedig, bei Turner Contemporary (Kent), High Line Art (New York), im Frankfurter Kunstverein und in Le Commun (Genf) gezeigt. Paloma Polo wurde unter anderem mit dem Ojo Crítico-Preis (RNE) ausgezeichnet und erhielt Förderungen von der Botín-Stiftung, der BBVA-Stiftung (Multiverso), der La Caixa-Stiftung sowie dem Mondriaan-Fonds.
Oliver Ressler
Oliver Ressler produziert Installationen, Projekte im öffentlichen Raum und Filme zu Themen wie Wirtschaft, Demokratie, Klimakrise, Rassismus, Widerstandsformen und sozialen Alternativen. Ressler hatte umfassende Einzelausstellungen im National Museum of Contemporary Art (MNAC) in Bukarest, SALT Galata in Istanbul, Museo Espacio in Aguascalientes, Mexiko, und im Belvedere 21 in Wien. Er hat an 480 Gruppenausstellungen teilgenommen sowie an Biennalen in Prag, Sevilla, Moskau, Taipeh, Lyon, Gyumri, Venedig, Athen, Quebec, Helsinki, Jeju, Kyiv, Göteborg, Stavanger, Thessaloniki und Istanbul.
Güliz Sağlam
Güliz Sağlam ist eine unabhängige Dokumentarfilmerin und Videoaktivistin, die seit Langem in der feministischen Bewegung in der Türkei aktiv ist. Ihre Arbeit entspringt einer beständigen Solidarität mit den Kämpfen von Frauen Ihre Dokumentarfilme befassen sich mit Themen wie erzwungener Migration, den Bemühungen von Arbeiterinnen, sich zu organisieren, und dem Widerstand gegen geschlechtsspezifische Gewalt –die Erzählungen der Frauen über ihre eigenen Erfahrungen stehen dabei im Mittelpunkt. Als feministische Aktivistin hat sie auch die Kampagnen und Demonstrationen der feministischen Bewegung sowie der Women’s Peace Initiative dokumentiert. Ihre Kamera fungiert weniger als distanzierter Beobachter, sondern vielmehr als Teilnehmerin, die nach und nach ein Archiv von Frauenstimmen, Protesten und Netzwerken aufbaut, die diese Bewegungen tragen.
Sie hat mit verschiedenen Videoaktivismus-Kollektiven zusammengearbeitet und ist Mitbegründerin von bak.ma, einer Plattform, die sich der Bewahrung des Gedächtnisses sozialer Bewegungen widmet. Seit 2013 ist sie Mitglied des Beirats und der Koordination der Documentarist Istanbul Documentary Days sowie des Which Human Rights Film Festival. Darüber hinaus nimmt sie an internationalen Workshops teil, ist in Jurys tätig und engagiert sich in kollaborativen Initiativen zur Unterstützung des Dokumentarfilms, darunter Feminist Frames, eine neu gegründete Gruppe von Regisseurinnen aus verschiedenen Ländern. Ihre Filme wurden international gezeigt, und ihr erster Spielfilm, A Dream School in the Steppes (2014), erhielt mehrere Auszeichnungen. Sağlams Werk ist sowohl ein persönliches Zeugnis langjährigen Engagements, als auch ein Beleg für die Kontinuität des kollektiven feministischen Kampfes.
Roy Samaha
Roy Samaha ist ein libanesischer Künstler, der in Beirut lebt. Seit 2002 wurden seine Videos auf verschiedenen internationalen Filmfestivals und Kunstausstellungen gezeigt. Im Rahmen seiner Feldforschung zu elektronischen Medien in Verbindung mit veränderten Wahrnehmungszuständen und seiner Faszination für anthropologische Studien sowie Berichte über schamanistische Rituale und Ästhetiken war er parallel zu seiner künstlerischen Arbeit zwischen 1998 und 2008 in der Rundfunk- und Nachrichtenindustrie tätig. Diese Einflüsse nutzt er, um die Grenzen der filmischen Sprache, die Wahrnehmung von Realität und die Erinnerung an persönliche Objekte zu erforschen, wie in Werken wie Untitled for Several Reasons (2003), Transparent Evil (2012), Sun Rave (2019) und Legacy//Premonition (2025).
Nomeda und Gediminas Urbonas
Nomeda und Gediminas Urbonas sind sind ein künstlerisches Duo von Urbonas Studio, einer praxisorientierten Forschungsplattform, die Kunst, Urbanismus und soziale Untersuchungen mobilisiert, um bürgerliche Räume und ökologische Beziehungen neu zu denken. Ihre Arbeiten wurden weltweit gezeigt, unter anderem auf den Biennalen in São Paulo, Berlin, Lyon, Gwangju, Busan, Taipeh, Kaunas und Helsinki sowie bei Manifesta und Documenta, mit Einzelpräsentationen auf der Biennale von Venedig, im MACBA und in der Nationalgalerie Vilnius. Sie haben forschungsbasierte künstlerische Initiativen wie Jutempus gegründet, das Buch Public Space? Lost and Found (MIT Press) mit herausgegeben, das Langzeit-Forschungsprogramm Zooetics geleitet und The Swamp School auf der Architekturbiennale Venedig 2018 kuratiert. Ihr Band Swamps and the New Imagination wird demnächst bei Sternberg Press und MIT Press erscheinen.
Sie unterrichten international, wobei Gediminas als Professor im Programm für Kunst, Kultur und Technologie des MIT tätig ist und beide Gastprofessuren an der Vytautas-Magnus-Universität in Kaunas sowie an der NABA in Mailand innehaben.
Mohanad Yaqubi
Mohanad Yaqubi ist Filmemacher, Produzent und einer der Gründer der in Ramallah ansässigen Produktionsfirma Idioms Film. Er ist zudem Mitbegründer des Forschungs- und Kurationskollektivs Subversive Films, das sich auf militante Filmpraktiken konzentriert, sowie Gründungsmitglied des Palestine Film Institute, das sich der Unterstützung, Förderung und Bewahrung des palästinensischen Kinos widmet. Seit 2017 ist er als Forschungsresident an der School of Arts (KASK) in Gent, Belgien, tätig. Yaqubis erster Spielfilm Off Frame AKA Revolution Until Victory (2016) feierte seine Premiere beim TIFF, der Berlinale, Cinéma du réel, Dubai IFF und Yamagata sowie bei fünfzig weiteren Premieren und Vorführungen weltweit.
Želimir Žilnik
Želimir Žilnik (*1942, Jugoslawien) ist ein serbisch-slowenischer Künstler und Filmemacher. Im Laufe seiner Karriere hat Žilnik über 50 Spiel- und Kurzfilme geschaffen, die auf internationalen Filmfestivals in Berlin, Toronto, Rotterdam, Moskau oder Oberhausen gezeigt wurden. Seit den späten 1960er Jahren fanden seine sozialkritischen Filme im ehemaligen Jugoslawien Anerkennung, zogen inden 1970er und 1990er Jahren jedoch auch Zensur auf sich, sie staatliche Strukturen unbeirrt kritisierten. Seine Fähigkeit, aus den Leben gewöhnlicher Menschen fesselnde Geschichten zu entwickeln, ist ein fester Bestandteil seiner Arbeit.
Žilniks Arbeiten waren Gegenstand bedeutender Retrospektiven, darunter im Harvard Film Archive (2023), der Kunsthalle Wien (2020/21), dem Centre Pompidou, Paris (2019), der Cinemateca Argentina (2018), dem Mar del Plata International Film Festival (2017) und dem Anthology Film Archive, New York.
Seine Werke wurden in Galerien, Museen und Kunstinstitutionen weltweit präsentiert, darunter die Documenta in Kassel, die Biennale von Venedig, das ICA London, die National Gallery of Art in Washington DC, das MUMOK in Wien, das MACBA in Spanien und das Museo Universitario Arte Contemporáneo in Mexiko-Stadt.