Sammlung - Collection
Die Ausstellung präsentiert anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums der Sammlungsaktivität des Migros-Genossenschafts-Bundes und der intensiven dreijährigen Sammlungsaufarbeitung eine grosse Anzahl neuerer und älterer Sammlungswerke und erschliesst dabei alle unterschiedlichen Sammlungsperioden – vom Minimalismus und den konzeptuellen Arbeiten der 1960er und 1970er Jahre bis zu aktuellen Werken, die sich mit sozialpolitischen, performativen, glamourösen oder unheimlichen Strategien auseinander setzen. Es ist ein wichtiges Anliegen der Ausstellungskonzeption, die Sammlung, die eine gegenwärtige Kunstproduktion berührt und sich an ein aufgeschlossenes Publikum richtet, immer wieder aus neuen thematischen Blickwinkeln zu betrachten und in ein lebendiges Umfeld einzubinden.
Für diese umfassende Sammlungspräsentation besteht die Ausstellungsarchitektur aus einer Weiterentwicklung der Display-Form der Ausstellung von Markus Schinwald, die vom 16. Februar bis 18. Mai 2008 im Museum zu sehen war. Schinwald, der sich an der Raumgestaltung des Architekten Friedrich Kiesler (1890–1965) orientiert, schafft auf diese Weise nicht bloss eine einfache Anordnung der Werke, sondern verfolgt das Konzept eines ganzheitlichen Correalismus weiter, mit dem Kiesler gegen den vorherrschenden Funktionalismus der damaligen Zeit eintrat. Dabei sollten die individuellen Bedürfnisse der Menschen beziehungsweise der Arbeiten im Vordergrund stehen und für diese flexible Präsentationsformen gefunden werden. In diesem Sinne verschmelzen in der Ausstellung Sammlungswerke aus verschiedenen Zeitperioden und mit unterschiedlichen konzeptuellen Ausrichtungen miteinander – seien es Werke mit einem gesellschaftspolitischen Ansatz oder solche, die sich mit Themen des «Unheimlichen», der subkulturellen Musik und des Glamour auseinander setzen. Das Ausstellungs-Display wird von einem «Träger-und-Leger-System» bestimmt, das den Betrachter in einen räumlichen und zeitlichen Rahmen einbindet. Kiesler entwickelte das so genannte T-und-L-System 1924 für die Internationale Ausstellung neuer Theatertechnik in Wien. Dieses erlaubt eine flexible, frei stehende Konstruktion zur Präsentation von Objekten und Bildern. Wie bei Kiesler so soll auch dem Betrachter der Sammlungsausstellung seine Rolle als «aktiver Sehender» nochmals bewusst gemacht und die Möglichkeit geboten werden, eigene Analogien und narrative Stränge zu entwickeln und zu verfolgen. Kiesler beschrieb seine Vorstellung von Architektur folgendermassen: «Berührung, nicht Trennung und Resignation. Sie setzt auf Mitbeteiligung, nicht auf Isolation.»
Kuratiert von Heike Munder und Markus Schinwald